Praxisbezogen und lösungsorientiert: interdomus Seminar zur Unternehmensnachfolge

Ein großer Schritt, der viele Fragen mit sich bringt – was es zu beachten gilt, erfuhren Teilnehmer:innen letzte Woche in Dreieich

Dreieich, 14. Februar 2022. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) schätzt, dass in den nächsten fünf Jahren deutschlandweit etwa 190.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Zu diesen zählt, auf Platz 2 mit circa 26 Prozent, das produzierende Gewerbe, darunter auch das Baugewerbe und damit Unternehmen der SHK-Branche. Das Problem Nachfolger:in hat das Gros der elf Teilnehmenden, die vergangene Woche der Einladung von interdomus Haustechnik zum Seminar „Lebenswerk erhalten – Nachfolge gestalten“ in die MHK Europazentrale nach Dreieich gefolgt waren, nicht. Dennoch sehen sie sich zahlreichen anderen Fragen und Herausforderungen im Kontext der Unternehmensübergabe gegenüber. Antworten lieferten Herbert Reithmeier von der DLS Unternehmensberatung, Betriebswirt und Unternehmenscoach, sowie Han Christian Jung, Rechtsanwalt für Bau- und Wirtschaftsrecht, seit Jahren spezialisiert in der Beratung von Handwerksunternehmen.

Nachfolge innerhalb der Familie

Einen Schwerpunkt setzte Herbert Reithmeier bei den psychologischen Faktoren einer Unternehmensübergabe. Sie würden maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg des Prozesses entscheiden. „In der Nachfolge menschelt es“, betonte Reithmeier. Da vier von zehn Übernahmegründungen innerhalb der Familie stattfänden, dürfe man die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Auswirkungen auf diese auf keinen Fall außer Acht lassen.

Vorsorge und Finanzen

Mit Blick auf den Ruhestand, sei es für den/die Übergeber ebenso wichtig, sich mittels einer Haushaltsrechnung genau über die eigenen Einnahmen und Ausgaben im Klaren zu sein, um zu wissen, wie sich das Leben nach der Übergabe finanzieren lässt. Welche finanziellen Sicherheiten sind vorhanden? Ist die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs möglich, wenn der Firmenwagen keine Option mehr ist? Wer diese und andere Fragen nicht beantworten könne, solle die Unternehmensübergabe schnellstmöglich zum Projekt ausrufen, so Reithmeier weiter.

Rechtsformen und Notfallkoffer

Han Christian Jung beleuchtete schließlich die rechtlichen Aspekte, wie das Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht, und mögliche Rechtsformen für Unternehmen, die vor der Übergabe stehen, besonders im Hinblick auf steuerliche Vorteile. Außerdem sprachen Jung und Reithmeier ein Thema an, mit dem sich wohl kaum eine/r der anwesenden Unternehmer/innen gerne beschäftigt: Was passiert, wenn dem Geschäftsführer etwas passiert? Die Teilnehmenden wurden nachdrücklich dazu angehalten, sich um Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung zu kümmern und auch ihr „digitales“ Erbe, wie Zugänge zu Online- oder Social-Media-Konten, zu regeln. Zu diesem Zweck stellten die beiden Referenten den von ihnen entwickelten „Notfallkoffer“ vor, der symbolisch für das Zusammentragen und Sammeln der allerwichtigsten Dokumente an einem Ort steht.
 
Insgesamt überzeugte das Seminar durch seine starke Praxisbezogenheit, denn Reithmeier und Jung nutzen zur Veranschaulichung immer wieder Beispiele aus ihrem täglichen Geschäftsleben. Wer vor einer Unternehmensübergabe stünde, solle schnellstmöglich handeln und nicht nur reden. Dem konnte Familie Geerkens aus Rheinberg in Nordrhein-Westfalen nur zustimmen. Vater Norbert Geerkens ist dabei, seinen Fachbetrieb für Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk an Tochter Nele und Sohn Noah zu übergeben und weiß, dass man nicht früh genug mit der Planung und der Einbeziehung der Nachfolger in alle wichtigen Prozesse beginnen kann. „Der Zeitpunkt, die Nachfolge und Übergabe einzuleiten, kommt bei vielen zu spät und dann plötzlich und unerwartet. Dazu möchten wir nicht gehören. Daher bestreiten wir den Weg frühzeitig und gemeinsam.“ Mit Blick auf die interdomus Veranstaltung resümierten sie: „Das Seminar hat uns dazu viele Erkenntnisse und Möglichkeiten vermittelt.“

Zur Pressemitteilung